Ein Auftraggeber verlangt eine Ausweiskopie

Lieferantenanlage, Agenturformulare — und die gefälschte Variante mit dem Fake-Recruiter.

Kurze Antwort

Üblich — und fast immer mit einer geschwärzten Kopie erledigt. Ein Auftraggeber, der einen Lieferanten anlegt, prüft, ob die rechnungstellende Person die beauftragte ist; dafür genügen Name und Lichtbild. Er führt keine gesetzliche Identitätsprüfung durch, also haben Dokumentennummer, maschinenlesbare Zone, Geburtsdatum und Unterschrift in einer Lieferantenakte nichts zu suchen. Rundheraus abzulehnen ist nur die Variante, in der ein Recruiter fragt, bevor es Arbeit, Vertrag oder ein Videogespräch gibt.
  • Ein Auftraggeber ist kein Verpflichteter. Nichts zwingt ihn zur vollständigen Erfassung, also ist die geschwärzte Kopie richtig.
  • Was er zum Bezahlen wirklich braucht, ist Ihre Steuernummer oder USt-IdNr. — und die steht schon auf der Rechnung.
  • Kein Vertrag, kein Gespräch, keine auffindbare Firma, aber eine Ausweisanfrage? Das ist Jobbetrug, keine Anlage.
  • Wasserzeichen mit Auftraggeber und Datum. Lieferantenakten werden exportiert, geteilt und vererbt wie kaum eine andere Ablage.

Ein neuer Auftraggeber, und irgendwo im Anlagepaket: „Bitte fügen Sie eine Kopie Ihres Personalausweises oder Reisepasses bei.“ Eine ziemlich normale Bitte. Und eine, bei der fast nichts von dem, was gebraucht wird, tatsächlich auf dem Dokument steht.

Was ein Auftraggeber wirklich prüft

Ob die rechnungstellende Person die beauftragte ist. Das sind Ihr Name und Ihr Lichtbild, und damit hat es sich.

Was oft für nötig gehalten wird, es aber nicht ist:

  • Ihre Dokumentennummer. Nichts in einer Lieferantenakte stützt sich darauf.
  • Die maschinenlesbare Zone. Sie kodiert nur, was ohnehin lesbar ist.
  • Ihr Geburtsdatum. Gehört nicht zum Bezahlen einer Rechnung.
  • Ihre Unterschrift. Der Vertrag trägt bereits eine, dort, wo sie hingehört.
  • Die Wohnanschrift auf der Rückseite des Personalausweises. Die steht in den Stammdaten.

Und was tatsächlich gebraucht wird, damit Geld fließt — Ihre Steuernummer oder USt-IdNr. — steht auf der Rechnung, nicht im Ausweis.

Entscheidend: Ein Auftraggeber ist kein Verpflichteter. Kein Gesetz zwingt ihn, das vollständige Dokument zu erfassen, und genau das ist die Prüffrage aus Wann Schwärzen nicht funktioniert. Eine geschwärzte Kopie mit Wasserzeichen ist hier also kein Kompromiss, sondern schlicht das richtige Maß — und in Deutschland verlangt § 20 Abs. 2 PAuswG die Erkennbarkeit als Kopie ohnehin, siehe Darf man den Personalausweis kopieren?.

Die Variante, die Sie ablehnen

Dieselbe Anfrage hat einen betrügerischen Zwilling, im Remote-Arbeitsmarkt häufig genug, um ihn zu benennen:

Echte LieferantenanlageDer Jobbetrug
Kommt nach Angebot oder VertragKommt vor allem anderen
Von einer prüfbaren FirmendomainGmail oder eine Domain, die fast stimmt
Nach einem Telefonat oder VideocallNur Chat, oft auf Telegram
Fragt nach Steuerdaten zur RechnungFragt nach Bankdaten für die Gehaltszahlung
Akzeptiert eine geschwärzte KopieBesteht dringend auf dem vollständigen Dokument

Gab es keinen Vertrag, kein Gespräch und keine Firma, die eine halbe Minute Suche übersteht, gibt es auch keinen Auftrag. Das Dokument und die Bankdaten sind das Produkt.

Was Sie schicken, wenn es echt ist

Die Felder oben verdecken, Name und Lichtbild sichtbar lassen, Wasserzeichen „Für die Lieferantenanlage bei [Auftraggeber] — [Datum]“. Der letzte Teil zählt bei Auftraggebern mehr als fast überall sonst: Lieferantenakten werden in neue Systeme exportiert, mit der Buchhaltung geteilt und von der nächsten zuständigen Person geerbt. Eine Kopie, die ihren Zweck nennt, fällt überall sonst sichtbar auf — siehe Wasserzeichen auf einer Ausweiskopie.

Anonymize my ID erledigt das in etwa einer Minute auf dem Handy, ohne Upload.

Fragen Sie, was danach damit passiert

Eine Lieferantenakte läuft nicht von selbst ab, also kann eine Ausweiskopie darin noch Jahre nach der letzten Rechnung liegen. Nach der Löschfrist zu fragen und die Löschung nach Ende des Auftrags zu verlangen, ist eine gewöhnliche Bitte mit klarer Grundlage — Darf eine Firma die Ausweiskopie speichern? zeigt, wie man sie stellt.

Und wenn die Anfrage per Chat statt über ein System kam, ist Ausweis per WhatsApp oder E-Mail schicken der passende Ratgeber.

Häufige Fragen

Ist es üblich, dass ein Auftraggeber vom Freelancer eine Ausweiskopie will?

Es kommt häufig vor, besonders bei Agenturen und größeren Unternehmen, deren Einkauf einen Freiberufler wie einen kleinen Lieferanten behandelt. Zu prüfen, ob die rechnungstellende Person die beauftragte ist, ist ein nachvollziehbarer Zweck. Ein vollständiges Passbild in der Lieferantenakte zu behalten verlangt dieser Zweck nicht.

Was schicke ich einem Auftraggeber?

Eine geschwärzte Kopie mit Wasserzeichen: Name und Lichtbild sichtbar, Dokumentennummer, maschinenlesbare Zone, Geburtsdatum, Unterschrift und die Anschrift auf der Rückseite verdeckt, gestempelt auf Auftraggeber und Datum. Wird etwas für die Rechnungsstellung gebraucht, ist das Ihre Steuernummer, und deren Platz ist die Rechnung.

Der Auftraggeber sagt, die Compliance verlange das vollständige Dokument. Und nun?

Fragen Sie, welche Prüfung gemeint ist. Manche Auftraggeber sind selbst Verpflichtete und haben in bestimmten Beziehungen echte Pflichten; die meisten sagen Compliance und meinen interne Richtlinie. Ein Verpflichteter kann die Rechtsgrundlage in einem Satz nennen. Lautet die Antwort, das Formular frage eben danach, ist eine geschwärzte Kopie angemessen.

Ein Recruiter wollte den Ausweis vor dem ersten Gespräch. Betrug?

Mit hoher Wahrscheinlichkeit. Unterlagen zur Anlage kommen nach einem Angebot, von einem Unternehmen, mit dem Sie gesprochen haben, über ein System mit dessen eigener Domain. Eine Ausweisanfrage vor jedem Vertrag, Gespräch oder überprüfbaren Arbeitgeber ist der Einstieg in den Jobbetrug — und geht meist der Frage nach Bankdaten für die Gehaltszahlung voraus.

Und bei Plattformen wie Upwork oder Fiverr?

Die führen ihre eigene Identitätsprüfung durch, innerhalb der Plattform und aus Ihren Kontoeinstellungen heraus, und das steht ihnen zu. Etwas anderes ist ein Auftraggeber auf der Plattform, der Ihnen im Chat ein Dokument abverlangt: keine Plattform leitet eine Verifizierung über die Gegenseite.