Was ein Ausweisfoto außer dem Ausweis noch verrät

Alle denken an die Felder auf dem Dokument. Kaum jemand denkt daran, was die Datei mit sich trägt.

Kurze Antwort

Die Datei selbst. Neben dem Dokument trägt ein Foto Exif-Metadaten: Aufnahmedatum und -zeit, Marke und Modell des Geräts und — falls die Ortungsdienste für die Kamera aktiv waren — GPS-Koordinaten auf wenige Meter genau. Bei einem Reisepass, den Sie auf dem Küchentisch fotografiert haben, ist das Ihre Wohnanschrift. JPEG speichert zusätzlich ein eigenes Vorschaubild, und manche Programme erneuern das Hauptbild, lassen das alte aber stehen: Im „geschwärzten“ Bild kann also das ungeschwärzte Original überleben.
  • Die GPS-Koordinaten sind das größte Problem. Ein zu Hause fotografierter Ausweis trägt Ihre Adresse auf wenige Meter genau mit sich.
  • Das eingebettete Vorschaubild kann die Schwärzung überleben — manche Programme erneuern das Hauptbild und lassen die alte Vorschau stehen.
  • Gehen Sie davon aus, dass Metadaten erhalten bleiben, solange Sie es nicht besser wissen: Messenger rechnen Bilder meist neu, E-Mail, AirDrop und Cloud-Links nicht.
  • Ein neu exportiertes, flaches Bild löst fast alles, weil die neue Datei aus Pixeln geschrieben und nicht aus der alten kopiert wird.

Dass die Datenseite eines Reisepasses Dokumentennummer, Geburtsdatum und Unterschrift zeigt, wissen Sie — das ist der Teil, den vor dem Absenden alle abwägen. Kaum jemand wägt ab, dass ein Foto eine Datei ist und Dateien einen zweiten Datensatz mitführen, von dem auf dem Bildschirm nichts zu sehen ist.

Was tatsächlich in der Datei steckt

Kameras und Smartphones schreiben strukturierte Metadaten ins Bild, und zwar mit Exif, dem als CIPA DC-008 normierten Austauschformat. Ein typisches Handyfoto trägt:

  • Aufnahmedatum und -zeit, meist mit dem lokalen Zeitzonenversatz — die Datei sagt also aus, wann und in welcher Zeitzone Sie waren;
  • Marke und Modell des Geräts, bei manchen Kameras zusätzlich eine Seriennummer, die alle Aufnahmen dieser Kamera miteinander verknüpft;
  • Objektiv- und Belichtungswerte, für sich harmlos, aber gut geeignet, Dateien einander zuzuordnen;
  • die Software, die die Datei zuletzt geschrieben hat — womit ganz nebenbei feststeht, dass das Bild bearbeitet wurde;
  • GPS-Breite und -Länge, sofern die Ortungsdienste für die Kamera aktiv waren.

Warum die GPS-Angabe schwerer wiegt als der Rest

Weil ein Dokument fast immer an einem aussagekräftigen Ort fotografiert wird. Sie legen den Personalausweis auf den Tisch zu Hause oder auf den Schreibtisch im Büro und lösen aus. Consumer-GPS ist üblicherweise auf wenige Meter genau: Die Koordinaten beschreiben kein Viertel, sie beschreiben ein Gebäude.

Anders gesagt: Ein Reisepassfoto mit Ortsangabe übergibt der Gegenseite das Dokument und Ihre Wohnanschrift, ohne dass jemand entschieden hätte, sie preiszugeben. Das BSI formuliert die Konsequenz in seinen Empfehlungen zum Schutz für Mobilgeräte knapp: „Löschen Sie mit entsprechenden Apps die Ortsangaben aus den Metadaten der Fotos, die Sie ins Internet laden.“ Für ein Ausweisfoto gilt das erst recht — dort ist der Empfängerkreis zwar kleiner, der Inhalt dafür ungleich sensibler.

Das geschwärzte Foto, das keines ist: das eingebettete Vorschaubild

Das ist der wichtigste Punkt auf dieser Seite.

Ein JPEG enthält nicht ein Bild. Die Exif-Struktur legt das Hauptbild in einem Verzeichnis ab und getrennt davon ein kleines Vorschaubild in einem zweiten, das bei der Aufnahme erzeugt wird, damit Galerie-Apps eine Übersicht zeichnen können, ohne ganze Dateien zu dekodieren. Manche Programme erneuern das Hauptbild und übernehmen den Metadatenblock unverändert — die alte Vorschau fährt also mit.

Die Folge ist unangenehm: Sie können die Dokumentennummer abdecken, die Datei speichern, sie öffnen, den schwarzen Balken sehen — und trotzdem eine kleine, gut lesbare Kopie des ungeschwärzten Bildes in derselben Datei verschicken. Das ist weder theoretisch noch selten, jedenfalls nicht bei älteren Werkzeugketten.

Dagegen hilft zuverlässig nur eines. Bearbeiten Sie kein vorhandenes Foto und hoffen Sie nicht: Exportieren Sie ein neues, flaches Bild — eine aus Pixeln geschriebene Datei, die keinen Metadatenblock erbt und deshalb auch keine alte Vorschau erben kann. Genau darum geht es im Kern auch bei Ausweisfoto von Hand unkenntlich machen oder mit einer App.

Und bei Bildschirmfotos und Bildschirmaufnahmen?

Ein Screenshot entsteht ohne Objektiv und ohne Ortung, trägt also keine Koordinaten. Festgehalten werden aber meist Gerätemodell, Betriebssystem und Uhrzeit, und das genügt, um mehrere Dateien einem Gerät zuzuordnen.

Die eigentliche Preisgabe eines Screenshots sind ohnehin nicht die Metadaten, sondern der Ausschnitt. Das Bildschirmfoto eines Chats enthält die umliegenden Nachrichten, den Kontaktnamen, oft die Telefonnummer und die Benachrichtigung, die zufällig gerade eingeblendet war. Screenshots wirken beiläufiger als ein Foto. Häufig sind sie schlechter.

Welche Kanäle Metadaten entfernen und welche nicht

Hier lohnt Genauigkeit, denn die ehrliche Antwort lautet „das hängt vom exakten Versandweg ab“ — und der Fehler ist lautlos: Nichts sagt Ihnen, welchen Weg Sie gerade benutzt haben.

KanalWerden Metadaten entfernt?Was zu tun ist
WhatsApp, Signal, Telegram als Foto gesendetMeist ja, das Bild wird neu berechnetVerlassen Sie sich nicht darauf; einmal mit einer Testdatei prüfen
Dieselben Apps als Datei / Dokument gesendetMeist nein, die Originalbytes bleibenVorher entfernen
E-Mail-AnhangNeinVorher entfernen
AirDrop, Nearby Share, BluetoothNeinVorher entfernen
Cloud-Link (Drive, Dropbox, iCloud)NeinVor dem Teilen entfernen
Große soziale Netzwerke (Upload)Meist ja, beim Hochladen neu berechnetIrrelevant: Ausweise gehören dort ohnehin nicht hin
Upload-Formular einer FirmenwebsiteHängt vollständig von dieser Website abNehmen Sie an: nein

Die Arbeitsregel ist einfach. Gehen Sie davon aus, dass die Metadaten erhalten bleiben, solange Sie es für genau diesen Weg nicht besser wissen — der Irrtum kostet nur in eine Richtung etwas.

Warum das Datenschutzrecht und keine Feinheit ist

Metadaten, die sich auf eine identifizierte oder identifizierbare Person beziehen, sind selbst personenbezogene Daten. Art. 4 Nr. 1 DSGVO definiert personenbezogene Daten als alle Informationen über eine solche Person und nennt Standortdaten ausdrücklich unter den Identifikatoren, die jemanden identifizierbar machen. In Deutschland und Österreich gilt das unmittelbar; in der Schweiz führt Art. 5 lit. a des Datenschutzgesetzes zum selben Ergebnis, weil auch dort alle Angaben erfasst sind, die sich auf eine bestimmte oder bestimmbare Person beziehen.

Das wirkt in beide Richtungen. Für Sie ist ein Ausweisfoto mit Koordinaten eine größere Offenlegung als das Dokument allein. Für die Gegenseite ist es eine größere Verarbeitung: mehr personenbezogene Daten, länger aufbewahrt als gedacht, auf einem Mailserver, den niemand aktiv pflegt. Wenn Sie später die Löschung verlangen, gehört das mit dazu — nachzulesen in Darf ein Unternehmen eine Ausweiskopie behalten?.

So prüfen Sie, was Ihr Foto mitbringt

Nehmen Sie sich eine Minute und sehen Sie sich ein einziges Mal ein Foto an, das Sie bereits verschickt haben. Danach behandeln Sie das nächste anders.

  • macOS — in der Vorschau öffnen, dann Werkzeuge → Informationen einblenden. Der Info-Reiter listet die Exif-Daten; bei vorhandenen Koordinaten erscheint ein GPS-Reiter mit Karte.
  • Windows — Rechtsklick → Eigenschaften → Details. Derselbe Dialog bietet Eigenschaften und persönliche Informationen entfernen und schreibt eine bereinigte Kopie.
  • iPhone — Foto in Fotos öffnen, nach oben wischen oder auf das Info-Symbol tippen. Zum Bereinigen beim Senden: Teilen-Menü → oben OptionenOrt ausschalten.
  • Android — Foto in Google Fotos öffnen und auf Details tippen; dort oder im Teilen-Menü lässt sich der Standort meist entfernen.
  • Terminalexiftool foto.jpg listet alles auf, exiftool -all= foto.jpg entfernt sämtliche Blöcke einschließlich Vorschaubild.

Wenn Sie längst Dateien ohne Prüfung verschickt haben, steht der praktische nächste Schritt in Sie haben bereits eine ungeschwärzte Ausweiskopie verschickt — dieselbe Löschanfrage deckt die Metadaten mit ab.

Die Kurzfassung in einem Schritt

Alles Obige lässt sich auf eine Gewohnheit eindampfen: Verschicken Sie nie die Originaldatei der Kamera. Verschicken Sie eine Kopie, die Sie selbst erzeugt haben. Schwärzen Sie die entscheidenden Felder, versehen Sie die Kopie mit einem Wasserzeichen für den Empfänger, wie in Wasserzeichen auf einer Ausweiskopie beschrieben, und exportieren Sie sie flach. Die neue Datei erbt keine Koordinaten, keine Seriennummer, keine Aufnahmezeit und kein altes Vorschaubild, weil nichts davon je hineingeschrieben wurde.

Deshalb wiegt die Kanalfrage aus Ist es sicher, den Ausweis per WhatsApp oder E-Mail zu schicken? weniger schwer, sobald die Datei stimmt. Die Felder auf dem Dokument sind nur die Hälfte dessen, was Sie herausgeben; die andere Hälfte steht in Kann man mit einem Ausweisfoto Identitätsdiebstahl begehen?.

Anonymize my ID erzeugt auf dem Gerät ein neues, flach gerechnetes Bild — die Aufnahme-Metadaten des Originals, Koordinaten eingeschlossen, wandern also nicht mit der Kopie mit, die Sie verschicken.

Metadaten prüfen und entfernen, bevor Sie ein Ausweisfoto verschicken

  1. Sehen Sie nach, was die Datei mitbringt. Unter macOS öffnen Sie das Bild in der Vorschau und wählen Werkzeuge → Informationen einblenden; dort finden Sie den Exif-Reiter und einen GPS-Reiter. Unter Windows: Rechtsklick → Eigenschaften → Details. Auf dem iPhone öffnen Sie das Foto in Fotos und wischen nach oben oder tippen auf das Info-Symbol; unter Android tippen Sie in Google Fotos auf Details. Eine Karte, Koordinaten oder eine Seriennummer bedeuten: Die Datei trägt mehr als das Dokument.
  2. Prüfen Sie das Vorschaubild, nicht nur das Hauptbild. Wenn Sie Felder in einem bereits vorhandenen Foto abgedeckt haben, kann die eingebettete Vorschau weiterhin das Original zeigen. Im Terminal holt exiftool -b -ThumbnailImage foto.jpg > vorschau.jpg sie heraus, sodass Sie sie ansehen können. Wenn Sie das nicht prüfen können, verschicken Sie keine bearbeitete Datei, sondern eine neu exportierte.
  3. Ortsangabe beim Teilen auf dem Handy abschalten. Auf dem iPhone tippen Sie im Teilen-Menü oben auf Optionen und schalten Ort aus, bevor Sie senden. Unter Android bieten das Teilen-Menü oder Google Fotos auf den meisten Geräten dasselbe an; alternativ löschen Sie den Standort im Detailbereich des Fotos.
  4. Dateieigenschaften unter Windows entfernen. Rechtsklick auf das Bild → Eigenschaften → Details → Eigenschaften und persönliche Informationen entfernen, dann eine Kopie mit allen möglichen entfernten Eigenschaften erstellen lassen. Verschicken Sie diese Kopie statt des Originals.
  5. Mit exiftool alles entfernen, wenn Sie im Terminal zu Hause sind. exiftool -all= foto.jpg entfernt sämtliche Metadatenblöcke einschließlich Vorschaubild und legt eine Sicherung des Originals daneben. Prüfen Sie danach mit exiftool foto.jpg, dass außer den Bildmaßen nichts übrig ist.
  6. Oder exportieren Sie einfach ein neues, flaches Bild. Der erneute Export einer geschwärzten, flach gerechneten Kopie schreibt eine neue Datei aus den Pixeln und lässt die Aufnahme-Metadaten des Originals zurück. Verschicken Sie diese Datei und löschen Sie das Originalfoto aus Chat oder Entwurf, sobald der Empfang bestätigt ist.

Häufige Fragen

Welche Metadaten stecken in einem Foto meines Ausweises?

In der Regel Aufnahmedatum und -zeit samt Zeitzonenversatz, Marke und Modell von Handy oder Kamera, Objektiv- und Belichtungswerte, die Software, die die Datei zuletzt geschrieben hat, und — bei aktivierten Ortungsdiensten — GPS-Breite und -Länge. Manche Kameragehäuse ergänzen eine Seriennummer. Ein JPEG speichert zusätzlich meist ein kleines eingebettetes Vorschaubild.

Kann jemand aus einem Ausweisfoto meine Wohnadresse ablesen?

Wenn das Foto GPS-Koordinaten trägt und zu Hause entstanden ist: ja. Die Genauigkeit liegt typischerweise bei wenigen Metern, und die Koordinaten in eine beliebige Karte eingefügt ergeben das Gebäude. Deshalb verrät ein auf dem Küchentisch fotografierter Reisepass deutlich mehr als nur das Dokument. Ortungsdienste für die Kamera abschalten oder die Metadaten entfernen beseitigt das.

Entfernt WhatsApp die Metadaten aus Fotos?

Als Foto versendet wird das Bild in der Regel neu berechnet und der Exif-Block dabei verworfen; die großen sozialen Netzwerke handhaben das ähnlich. Als Datei oder Dokument versendet bleiben die Originalbytes dagegen meist erhalten — ebenso bei E-Mail-Anhängen, AirDrop und Cloud-Links. Weil dieser Unterschied auf der Senderseite unsichtbar ist, sollten Sie Metadaten grundsätzlich als erhalten annehmen.

Kann ein geschwärztes Foto die ungeschwärzte Fassung noch enthalten?

Das kann vorkommen. Der Exif-Standard speichert das Vorschaubild getrennt vom Hauptbild, und manche Programme erneuern das Hauptbild, übernehmen den alten Metadatenblock aber unverändert — mitsamt einer kleinen, aber lesbaren Vorschau des Originals. Ein neu exportiertes, flaches Bild statt einer Bearbeitung der vorhandenen Datei vermeidet das vollständig.

Haben Bildschirmfotos ebenfalls Metadaten?

Bildschirmfotos tragen keine GPS-Koordinaten, weil weder Objektiv noch Ortung beteiligt sind. Gerätemodell, Betriebssystem und Uhrzeit werden aber meist festgehalten. Das größere Problem ist ohnehin der Bildausschnitt: Der Screenshot eines Chats zeigt die umliegenden Nachrichten, den Kontaktnamen und häufig die Telefonnummer.

Sind Bildmetadaten personenbezogene Daten?

Sobald sie sich auf eine identifizierte oder identifizierbare Person beziehen, ja — so die Definition in Art. 4 Nr. 1 DSGVO, die Standortdaten ausdrücklich als Identifikator nennt. In der Schweiz gilt über Art. 5 lit. a DSG dasselbe Prinzip. Ein Ausweisfoto mit Koordinaten im Postfach eines Empfängers ist damit eine größere Offenlegung als das Dokument allein.