Vinted, willhaben, Ricardo: Wann ist die Ausweisanfrage echt?
Die Meldepflicht will Ihre Steuer-ID, nicht Ihren Ausweis — und ein Käufer will beides nie.
Kurze Antwort
- Die Meldepflicht verlangt die Steuer-ID, nicht den Ausweis — wer Ihnen etwas anderes sagt, kennt das PStTG nicht oder täuscht Sie.
- Schwellen: ab 30 Verkäufen oder 2.000 Euro im Jahr, je Plattform getrennt gezählt.
- Öffnen Sie die App selbst. Eine echte Aufforderung steht in Ihren Kontoeinstellungen, nicht nur in einer E-Mail.
- Ein Käufer braucht Ihren Ausweis nie — nicht für die Zahlung, nicht für den Versand, erst recht nicht zur Verifizierung.
Wer regelmäßig auf Vinted, willhaben, Ricardo oder tutti verkauft, bekommt früher oder später eine Nachricht über „Verifizierung“. Drei völlig verschiedene Dinge tragen inzwischen denselben Namen, und sie werden ständig verwechselt.
Fall 1: die Meldepflicht — echt, aber sie will Ihren Ausweis nicht
Seit dem 1. Januar 2023 setzt das Plattformen-Steuertransparenzgesetz (PStTG) die EU-Richtlinie DAC7 in deutsches Recht um. Verkaufsplattformen müssen Daten über ihre Verkäufer erheben und ans Bundeszentralamt für Steuern melden, sobald jemand im Kalenderjahr mehr als 30 Verkäufe tätigt oder mehr als 2.000 Euro erlöst — je Plattform getrennt gezählt.
Gemeldet werden Name, Anschrift, Geburtsdatum, Steuer-Identifikationsnummer und Bankverbindung. Eine Ablichtung des Ausweises gehört ausdrücklich nicht dazu. Das ist der praktisch wichtigste Satz dieses Ratgebers: Wenn Ihnen jemand erklärt, „das Finanzamt verlangt eine Ausweiskopie“, ist das falsch.
In Österreich gilt über das Digitale Plattformen-Meldepflichtgesetz dasselbe. Die Schweiz ist nicht EU-Mitglied — dort gibt es keine entsprechende Meldepflicht.
Fall 2: die freiwillige Verifizierung der Plattform
Manche Plattformen prüfen darüber hinaus die Identität ihrer Verkäufer, etwa vor Auszahlungen. Das ist eine Produktentscheidung, keine gesetzliche Pflicht, und deshalb dürfen Sie dabei ganz normal fragen, worauf die Verarbeitung gestützt wird und wie lange die Kopie gespeichert wird — siehe Darf eine Firma die Ausweiskopie speichern?.
Weil es keine regulierte Prüfung ist, ist hier eine geschwärzte Kopie mit Wasserzeichen angebracht: Dokumentennummer, maschinenlesbare Zone und Unterschrift verdecken, Name und Lichtbild sichtbar lassen. Wo das nicht gilt, steht in Wann Schwärzen nicht funktioniert.
Und immer: öffnen Sie die App selbst. Eine echte Aufforderung steht in Ihren Kontoeinstellungen. Steht sie nur in einer E-Mail, einer SMS oder einem Chat, ist sie es nicht.
Fall 3: der Käufer fragt — das ist immer Betrug
Ein Käufer braucht Ihren Ausweis nie. Nicht für die Zahlung, nicht für den Versand, nicht für eine Verifizierung. Es gibt keine Ausnahme, weil es keinen Mechanismus gibt, der ein Ausweisdokument über die Gegenseite eines Geschäfts leitet.
Die Anfrage kommt fast immer kurz nach dem Versuch, Sie von der Plattform wegzuholen („schreib mir auf WhatsApp“), und geht in eine von zwei Richtungen: eine gefälschte Bezahl- oder Versandseite, oder eine Kontoeröffnung auf Ihren Namen. Dasselbe Muster wie bei Kleinanzeigen.
| Wer fragt | Rechtsgrundlage | Was gebraucht wird | Ausweiskopie? |
|---|---|---|---|
| Meldepflicht (PStTG / DPMG) | Ja, ab 30 Verkäufen oder 2.000 € | Steuer-ID, Name, Anschrift, Geburtsdatum, IBAN | Nein |
| Freiwillige Plattform-Verifizierung | Nein, Produktentscheidung | Identitätsabgleich | Geschwärzt, mit Wasserzeichen |
| Ein Käufer im Chat | Keine | Nichts | Niemals |
| Ricardo / tutti (Schweiz) | Keine Meldepflicht | Identitätsabgleich | Geschwärzt, mit Wasserzeichen |
Was Sie antworten
„Ich gebe im Privatverkauf keinen Ausweis heraus. Zahlung und Versand gerne über die Plattform.“
Danach melden Sie das Profil. Wenn Sie schon etwas geschickt haben, arbeiten Sie Ausweiskopie ungeschwärzt verschickt — was jetzt? durch.
Für die Fälle, in denen eine geschwärzte Kopie richtig ist, erstellt Anonymize my ID sie in etwa einer Minute, vollständig auf Ihrem Gerät und ohne Upload.
Häufige Fragen
Muss ich Vinted meinen Ausweis schicken?
Für die steuerliche Meldepflicht nicht. Das Plattformen-Steuertransparenzgesetz verlangt von der Plattform, Name, Anschrift, Geburtsdatum, Steuer-Identifikationsnummer und Bankverbindung zu erheben und ans Bundeszentralamt für Steuern zu melden. Eine Ablichtung des Ausweises steht dort nicht. Fragt eine Plattform trotzdem danach, ist das ihre eigene Verifizierung, und Sie dürfen fragen, worauf sie gestützt wird.
Ab wann wird gemeldet?
Ab 30 Verkäufen oder 2.000 Euro Erlös im Kalenderjahr, je Plattform getrennt betrachtet. Wer darunter bleibt, wird nicht gemeldet. Die Plattformen übermitteln die Daten bis zum 31. Januar des Folgejahres.
Gilt das in Österreich und der Schweiz auch?
In Österreich ja: das Digitale Plattformen-Meldepflichtgesetz setzt dieselbe EU-Richtlinie DAC7 um, mit denselben Schwellen. Die Schweiz ist nicht EU-Mitglied, dort gibt es keine entsprechende Meldepflicht — eine Ausweisanfrage von Ricardo oder tutti ist also in jedem Fall eine freiwillige Verifizierung und kein gesetzliches Muss.
Ein Käufer sagt, die Plattform verlange meinen Ausweis, bevor er zahlen kann. Stimmt das?
Nein. Keine Verifizierung der Welt leitet ein Ausweisdokument über die Gegenseite des Geschäfts. Wenn eine Plattform etwas von Ihnen will, sagt sie es Ihnen in Ihrem eigenen Konto. Ein Käufer, der eine angebliche Plattformanforderung im Chat weitergibt, beschreibt ein System, das es nicht gibt.
Wie erkenne ich die Aufforderung der echten Plattform?
Öffnen Sie die App oder die Website selbst — ohne Link aus der Nachricht — und sehen Sie in den Kontoeinstellungen nach. Steht die Aufforderung dort, ist sie echt. Steht sie nur in einer E-Mail, einer SMS oder einem Chat, ist sie es nicht.
Und wenn die Plattform trotzdem auf einer Ausweiskopie besteht?
Dann ist es eine gewöhnliche, nicht regulierte Anfrage: schicken Sie eine geschwärzte Kopie mit Wasserzeichen über den Upload in Ihrem Konto. Dokumentennummer, maschinenlesbare Zone und Unterschrift verdecken; Name, Lichtbild und Geburtsdatum stehen ohnehin schon in Ihrem Profil.